Schöpfung          

             Anmerkungen

 

 

Schöpfung

Alle Symbole und Metaphern der Heiligen Schrift bringen eins zum Ausdruck: Die Welt ist nicht ewig. Sie hat einen Anfang. Die Welt ist geworden. Hinter dem Werden dieser Welt steht Gottes Wille und Gottes Wirken. Sie wurde durch Gott erschaffen und dadurch eine Schöpfung Gottes. Das anfängliche Chaos wird zum Kosmos, zu einer durch die Implementierung göttlicher Vernunft im Gesetz geordneten Welt

 

Schöpfer

Alle abrahamitischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam - verbindet der Glaube an einen Schöpfer und das ist der Gott Abrahams. Dieser Glaube wird im Christentum durch ein Credo -ein Glaubensbekenntnis - zum Ausdruck gebracht Am bekanntesten ist in der westlichen Welt das Apostolische Glaubensbekenntnis  Es beginnt mit den Worten:

 Ich glaube an Gott,                                  
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

 Das  Apostolische Glaubensbekenntnis basiert auf der  biblischen Schöpfungsaussage. Dabei ist der Ausdruck „Himmel und Erde“ nichts weiter als die Bezeichnung für das Universums zu der Zeit, als das Buch Genesis niedergeschrieben wurde.

Der Glaube an Gott als Schöpfer ist unverzichtbarer Bestandteil des christlichen Glaubens. Gott - der Schöpfer - erschafft aus seinem geistigen Potential heraus die Welt. Er entäußert dieses in seinem Wort, das dann im Schöpfungsakt die Welt hervorbringt. In diesem Sinne manifestiert sich der Schöpfer in seiner Schöpfung. Schöpfung kann nicht losgelöst von ihrem Schöpfer gesehen werden.

 

Creatio ex nihilo

 Die Sicht der Schöpfung als „creatio ex nihilo“, als Erschaffung aus dem Nichts, wurde im Gegensatz zum griechisch - antiken Konzept des „ex nihilo nihil fit“, des Grundsatzes also, dass aus nichts auch nichts kommt, konzipiert. Streng genommen ist die Bezeichnungsweise „creatio ex nihilo“ unrichtig, weil die Schöpfung keinesfalls aus dem Nichts, sondern aus der Fülle des göttlichen Seins erfolgte.

Doch mit dieser Bezeichnung sollte keine Aussage darüber getroffen werden, aus welcher Quelle die Schöpfung stammt. Stattdessen sollte ausgedrückt werden, dass vor dem Schöpfungsakt nichts vorhanden war – weder Materie noch Raum und Zeit -  nichts, das als Material für die Erschaffung der Welt dienen konnte. In diesem Sinn muss als creatio ex nihilo  als Schöpfung aus der Fülle des göttlichen Seins verstanden werden, die völlig voraussetzungslos erfolgte.

 

Creatio continua

 Mit der Schöpfung am Anfang, der creatio ex nihilo, ist die Schöpfung keinesfalls abgeschlossen. Wenn dies der Fall wäre, würde alles Geschehen nach den zugrundeliegenden Gesetzen gleichsam automatisch ablaufen. Störungen im Ablauf würden unvermeidlich Abstürze hervorrufen. Doch Gott ist kein passiver Zuschauer des Geschehens. Er hält seine Schöpfung, bewahrt und entwickelt sie, indem er sie kontinuierlich weiterführt. Dies hatte der Kirchenlehrer Augustinus im Sinn, als er den Begriff „creatio continua“ in die theologische Diskussion des Schöpfungsgeschehens einführte.

 Jene fortgesetzte Schöpfung – creatio continua - bringt ständig Neues hervor. Es ist ein fortwährendes Werden, eine fortlaufende creatio ex nihilo. Äußerlich erscheint in der erkennbaren materiellen Welt die creatio continua dem Betrachter als Entwicklung. Betrachtet man die geschichtlich schon vollzogene Entwicklung, so ist eine Tendenz, ein Trend vom Niederen zum Höheren, vom Einfachen zum Komplizierten, erkennbar. Die Entwicklung ist gerichtet und strebt, wie jede gerichtete Entwicklung einem Ziel zu. Dies gibt Anlass zu dem Glaube, dass der Schöpfer die creatio continua planvoll gestaltet.

 

Schöpfungsberichte

 In der theologischen Literatur ist es üblich, die Texte am Anfang der Bibel, die das Thema Schöpfung behandeln, als Schöpfungsberichte zu bezeichnen. Natürlich sind die Schöpfungsberichte keine Berichte im strengen Sinn des Wortes. Berichte schildern ein Geschehen oder einen Sachverhalt  objektiv und neutral.  Der Berichterstatter enthält sich jeglicher Wertung. Das ist bei den Schöpfungsberichten nicht der Fall. Im Gegenteil: Sie verkünden eindrucksvoll das Lob des Schöpfers. Und sie haben Bekenntnischarakter.

Bei den Schöpfungsberichten handelt es sich mehr um verbale Bilder von der Schöpfung. Sie basieren auf Mythen und geben Antwort auf die Fragen:  Wo kommen wir her?  Wo gehen wir hin? Welchen Sinn hat unsere Existenz? Es sind Fragen, die in archaischen Zeiten genauso interessierten, wie auch heute noch. Die Schöpfungsberichte werden den durch diese existenziellen Fragen gestellten Anforderungen voll gerecht. Allerdings müssen sie unter den Verhältnissen der nachchristlichen Moderne sorgfältig interpretiert werden.

 Im biblischen Buch Genesis, sind gleich zwei Schöpfungsberichte zu finden. Sie sind aneinander gereiht und bei gründlichem Vergleich der geschilderten Details lassen sich ohne weiteres Differenzen feststellen. Doch im Grunde behandeln sie verschiedene Aspekte des Schöpfungsgeschehens und ergänzen sich damit  gegenseitig.

Kontroversen gibt es auch hinsichtlich der Frage, wer die Schöpfungsberichte verfasst hat. Bibeltreue evangelikale Christen benennen Moses. Er wird in der Bibel selbst als Autor angegeben. Nach der Ansicht bibelkritische Christen dagegen waren mehrere Autoren am Werk. Letztlich aber sollte diese Frage als nebensächlich angesehen werden. Es kommt auf die Botschaft an, welche die Schöpfungsberichte transportieren – auf den Inhalt und seine Relevanz für den christlichen Glauben heute. 

 

Der priesterschriftliche Schöpfungsbericht

 Die Bibel beginnt mit dem Buch Genesis und in diesem Buch mit dem sogenannten priesterschriftlichen Schöpfungsbericht (Gen 1,1-2,4a). Der Bericht entstand im 6. Jahrhundert v. Chr. und wurde lt. historisch - kritischen Forschungsergebnissen von Priestern Jahwes verfasst. Daher auch der Name des Berichtes.

Es war die Zeit in der sich die Oberschicht des Volkes Israels in der. babylonischen Gefangenschaft befand. Die Religion der Sieger wurde als Bedrohung empfunden. Der priesterschriftliche Schöpfungsbericht diente der Verteidigung des Glaubens an den einen Gott gegen den babylonischen Vielgötterkult. Inhalt des Berichtes ist die biblische Kosmogonie. Die  Kosmogonie zeugt von der Größe und Macht Gottes.

 

Der jahwistische Schöpfungsbericht

 Der jahwistische Schöpfungsbericht entstand im 10. Jahrhundert am Hofe König Salomos. Er ist also zeitlich vor dem priesterschriftlichen Schöpfungsbericht entstanden, steht aber in der Bibel hinter dem. Warum dies so ist, wird aus dem Text des priesterschriftlichen Schöpfungsberichts deutlich. Dort heißt es:

 Bereschit bara elohim …  -   Am Anfang schuf Gott …

 Der priesterschriftliche Schöpfungsbericht beginnt also mit dem absoluten Anfang und deshalb wurde dieser auch am Anfang der Bibel gerückt. Es fällt auf, dass der priesterschriftliche Schöpfungsbericht für Gott das Wort elohim verwendet. Dieses Wort steht in der Mehrzahl. Doch die Priester bezeichnen damit den einen real existierenden Gott. Dies erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich. Doch es steckt ein tiefer Sinn dahinter.

 Mit dem Wort elohim bezeichneten die benachbarten Stämme in Kanaan ihre Götter. Dabei wurde mit  dem Wort elohim ein ganzer Panthenon von Göttern erfasst, den diese Stämme verehrten. Indem die Verfasser des priesterschriftlichen Schöpfungsberichtes dieses Wort für den einen Gott gebrauchten, grenzten sie sich bewusst von den heidnischen Nachbarvölkern ab. Denn sie brachten damit zum Ausdruck, dass es keinen Panthenon verschiedener Götter gab, sondern den einen Gott.

 Seinen Namen verdankt der jahwistische Schöpfungsbericht, weil in ihm als Gottesbezeichnung nicht das Wort elohim, sondern konsequent der Name  JHWH (Jahwe)  verwendet. wurde. Im Bibelcode hat elohim den Zahlenwert 86. Dieser Zahlenwert ist auch die Natur – hebräisch hateva - zugeordnet. Der Schöpfer und seine Schöpfung – die Natur -  haben also den gleichen Zahlenwert 86. Dies bedeutet, dass die Natur - die Materie - eindeutig auf den Schöpfergott bezogen ist.

 Im jahwistischen Schöpfungsbericht geht es vorrangig um die Erschaffung des Menschen. Der Mensch steht im Vordergrund. Seine Umwelt - die Natur - dagegen rückt in den Hintergrund. Die Verfasser des jahwistischen Schöpfungsberichtes unterstrichen die herausragende Stellung des Menschen, in dem sie die sachliche Rangfolge „Mensch- Natur“ durch eine zeitliche Reihenfolge zum Ausdruck brachten: Zuerst der Mensch und seine Schöpfung und dann erst alles andere. Im jahwistischen Schöpfungsbericht  hat also die zeitliche Reihenfolge der Schöpfung keine reale Bedeutung, sondern symbolisiert die sachliche Rangfolge der Schöpfung.

 Den Menschen als Adressaten des jahwistischen Schöpfungsberichtes ging es um ganz elementare Fragestellungen. Sie bestimmten ihren Alltag, ihre Existenz:

Warum sind Menschen sterblich?

Welche Grenzen sind der Existenz des Menschen gesetzt?

Warum ist die Arbeit auf dem Acker so mühsam?

Warum müssen Kinder unter Schmerzen geboren werden?

 

Der jahwistische Schöpfungsbericht gibt darauf plausible Antworten. Doch er geht weit darüber hinaus und vermittelt in verschiedenen Dimensionen das alttestamentliche Menschenbild der Bibel. Ihre Koordinaten bilden die biblische Anthropologie in so instruktiver Weise ab, dass diese  Anthropologie nicht nur heute noch gültig ist, sondern besonders heute instruktive Lebensorientierungen vermittelt.

 

Der neue Atheismus

 Der neue Atheismus bietet inhaltlich nichts wirklich Neues. Neu dagegen ist sein Anspruch. Er verkörpert eine Ideologie, die unter dem Deckmantel der Evolutionsbiologie zu einer Pseudoreligion überhöht wird.

 

 

 
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